Konzert Berlin Villa Elisabeth • 19. November 2022

BOULANGERIE
Johannes Maria Staud
PROGRAMM

Johannes Maria Staud, Lagrein für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier
mit Sebastian Manz, Klarinette
Gast: Johannes Maria Staud

Johannes Maria Staud

© Priska Ketterer

Der 1974 in Innsbruck geborene Komponist Johannes Maria Staud bezieht für seine Musik immer wieder Inspiration aus anderen Künsten wie Literatur, Film und bildender Kunst. Auch Reflexionen über philosophische Fragen, gesellschaftliche Prozesse oder politische Ereignisse sind Anlass für seine kompositorische Arbeit. Dabei verwandelt er diese Impulse in sinnliche Klangabenteuer voller Energie.

In Wien studierte Johannes Maria Staud Komposition, Musikwissenschaft und Philosophie, ehe er sein Kompositionsstudium in Berlin bei Hanspeter Kyburz fortsetzte. Bereits ein Jahr nach seinem Studienabschluss gewann er 2002 den Erste Bank Kompositionspreis, 2003 den Preis des International Rostrum of Composers, 2004 den Förderpreis der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung und 2009 den Paul-Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Prestigeträchtige Aufträge folgten: 2004/05 entstand Apeiron für die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle; 2006 wurde Segue für Violoncello und Orchester als Auftrag der Salzburger Festspiele von Heinrich Schiff und den Wiener Philharmonikern unter Daniel Barenboim uraufgeführt.

Seine Auseinandersetzung mit dem jüdischen Schriftsteller und Zeichner Bruno Schulz hinterließ direkte Spuren in Werktiteln wie Über trügerische Stadtpläne und die Versuchungen der Winternächte (2009) und Zimt. Ein Orchesterdiptychon für Bruno Schulz. Der erste Teil des Diptychons, On Comparative Meteorology, war zunächst 2009 vom Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst und in der Neufassung 2010 vom RSO Wien unter Peter Eötvös uraufgeführt worden; der zweite Teil Contrebande (On Comparative Meteorology II) war von Pierre Boulez für das Ensemble Modern Orchestra in Auftrag gegeben und 2010 aus der Taufe gehoben worden. Daneben brachte das Symphonieorchester des Bayerischen Rund-funks unter Mariss Jansons 2012 Maniai zur Uraufführung; im gleichen Jahr ernannte ihn die Sächsische Staatskapelle zum Capell-Compositeur.

Zu den wichtigen Ensemblewerken der letzten Jahre gehören Auf die Stimme der weißen Kreide (Specter I-III), uraufgeführt 2015 beim Festival Musica in Straßburg, und das Diptychon Par ici – Par là, erstmals komplett präsentiert vom Ensemble Intercontemporain beim Kölner Festival Acht Brücken. Das für Midori komponierte Violinkonzert Oskar (Towards a Brighter Hue II) war 2014 beim Lucerne Festival zur Uraufführung gekommen, ebenso wie die Oper Die Antilope nach einem Libretto von Durs Grünbein. Der Dichter lieferte auch die Textvorlage zu Der Riss durch den Tag (2011), ein Monodram für Bruno Ganz, und für die Oper Die Weiden, welche 2018 and der Wiener Staatsoper uraufgeführt wurde.

Stromab (so der Titel) führte Johannes Maria Stauds großes Orchesterwerk, das 2017 vom Royal Danish Orchestra mit seinem Chefdirigenten Alexander Vedernikov uraufgeführt wurde und anschließend in Wien (Wiener Symphoniker unter François-Xavier Roth), Cleveland und New York (jeweils mit dem Cleveland Orchestra unter Franz Welser Möst) zu hören war. 2018 hoben die Wiener Philharmoniker sein Orchesterwerk Scattered Light ohne Dirigent im Rahmen des Wien Modern Eröffnungskonzertes aus der Taufe und gastierten damit anschließend in Berlin. Mit barocker Alchemie beschäftigte er sich für die Werke Terra pinguisund Terra fluida, 2019 vom Münchener Kammerorchester bzw. dem Boulanger Trio uraufgeführt. 2020 brachte Martin Grubinger mit Slavik Stakhov und Richard Putz Epicentre. Seismic construction in 3 parts für drei Schlagwerker zur Uraufführung und das Ensemble Phace hob Am Horizont (…schon ganz woanders…) aus der Taufe.

Im November 2021 bringt das ensemble xx. jahrhundert im Rahmen seines 50jährigen Jubiläums Listen, Revolution (we’re buddies, see -) bei Wien Modern zur Uraufführung, ehe das Werk im Dezember mit dem Ensemble Modern in Frankfurt zu erleben ist. Der amerikanische Lyriker William Carlos Williams lieferte die Textvorlage für zwei weitere neue Kompositionen: Ein Werk für Sopran und Orchester erklingt erstmals im Februar 2022 mit Andrea Carroll und den Wiener Symphonikern unter ihrem neuen Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada im Wiener Konzerthaus. Eine Komposition für Sopran, Horn, Ensemble und Live-Elektronik, in Auftrag gegeben vom Ensemble intercontemporain und dem IRCAM, kommt während des Festivals ManiFeste in Juni in Paris mit der Sopranistin Sophia Burgos und unter der Leitung von Matthias Pintscher zur Uraufführung.

Seit Herbst 2018 ist Johannes Maria Staud als Professor für Komposition an der Universität Mozarteum in Salzburg tätig.

Saison 2021/22

Samstag, 19. November 2022, 19 Uhr

Berlin, Villa Elisabeth