Konzert Berlin Radialsystem • 5. April 2014

BOULANGERIE X MAURICIO KAGEL GEWIDMET
PROGRAMM 

Ludwig van Beethoven, Trio D-Dur Op. 70 Nr. 1 „Geistertrio“
Mauricio Kagel, Trio Nr. 2 (2001)
Gast: Pamela Kagel (Tochter von Mauricio Kagel)

Mauricio Kagel

“… Jeder Komponist glaubt, dass sein letztes Werk das Schönste und das Wichtigste ist, aber in meinem Leben war die Hauptsache die Kontinuität. Die Etappen sind, sagen wir, organisch; im Gegensatz zu Anderen habe ich nie plötzliche “Shocks” gehabt, die mich zu einem neuen Kurswechsel gezwungen haben. Wenn man von Picasso spricht, zum Beispiel, spricht man von der blauen, roten, kubistischen Periode. So eine Sache gibt es für mich nicht, weil mein ganzer Verlauf kontinuierlich, und ich wiederhole, organisch ist. Sicher gibt es wichtige und weniger wichtige Stücke, aber ich bin nicht derjenige, der ihre Qualität beurteilt. Was ich sagen kann ist, dass ich in meinem ganzen Leben, wenn ich eine Partitur vollendete, ihr alle meine Anstrengung, meine ganze Seele und meine ganze Liebe zur Musik eingeflösst habe. Letztendes konnte ich immer sagen: ‘so wollte ich es und so musste es gemacht werden’. Die Zukunft wird es zeigen…..”  Mauricio Kagel

Mauricio Kagel wurde am 24.12.1931 in Buenos Aires in einer jüdischen Familie deutsch-russischer Abstammung geboren. Der Nachname Kagel (stammt von seinem Grossvater väterlicherseits), ist deutschen Ursprungs. Wenige Kilometer von Berlin gibt es einen Ort, der ebenso heißt. Er studierte autodidaktisch Gesang, Dirigieren, Klavier, Violoncello und Orgel. Seine Lehrer waren unter anderem Ginastera und Paz. Sein Vater gab ihm die ersten Klavierstunden, doch sein erster Lehrer war Vincenzo Scaramuzza, Pianist aus Crotone. An der Universität von Buenos Aires studierte er zusätzlich Philosophie und Literatur mit Jorge Luis Borges als Professor. Mit 16 Jahren wurde er künstlerischer Berater der “Agrupacion Nueva Musica” in Buenos Aires. 

1950 war er Mitbegründer der Cinematheque Argentine und in diesem Jahr entstehen auch die ersten Kompositionen, PALIMPSESTOS, für gemischten Chor a capella und DOS PIEZAS PARA ORCHESTRA. 
1954 gründete er das Orchester des Teatro Colon in Buenos Aires.  
1955 war er Studienleiter an der Kammeroper und Direktor des Teatro Colon in Buenos Aires, und wird Mitarbeiter der Zeitschrift Nueva Vision die sich für Fotografie und Film interessiert.
1957 kommt er Dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Köln. Dort arbeitete er im Studio für elektronische Musik und studierte Phonetik und Kommunikationswissenschaften bei Meyer-Eppler in Bonn. 
Ab 1958 beschäftigte er sich als Dirigent.
1960 gründete er das “Kölner Ensemble für Neue Musik“. 
Von 1960-1964 war er Dozent der “Internationalen Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik”.
Ab 1961 hielt er Vortrags- und Konzertreisen in Europa und den USA.
Ab 1964 machte er sich hauptsächlich am Theater tätig. Er schrieb Filme und arbeitete als Regisseur an einigen seiner Stücke, die dann vom Fernsehen produziert wurden. 
Von 1964-1965 war er “Slee-Professor of Composition” an der State University of New York in Buffalo. 
1967 war er Gastdozent der Film und Fernsehakademie in Berlin.  
1968 war er Leiter der Skandinavischen Kurse für Neue Musik in Göteborg. 
1969 war er Leiter der Rheinischen Musikhochschule in Köln und von
1969-1975 war er Leiter der Kölner Kurse für Neue Musik. 
1974-1979 war er Professor für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule. Zahlreiche Konzertreisen führten ihn in den Vorderen Orient und Asien (1973), Südamerika, die USA und Kanada (1974).

Fantasie, Humor, Originalität und beeindruckende Vielseitigkeit zeichnen seine Werke aus. Mauricio Kagel war einer der Hauptbegründer des Neuen Musiktheaters und nicht nur Komponist, sondern auch Regisseur und Produzent seiner Filme und Hörspiele. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und war oft bei Festivals Neuer Musik vertreten. 
Im Juli 2006 feierte er in Buenos Aires – am Teatro Colon und im Goethe-Institut – mit vielen Konzerten und öffentlichen Proben seinen 75 Geburtstag.

Wenige Wochen vor seinem Tod gab Mauricio Kagel ein Interview im Zusammenhang mit dem Musikfestival “Il nuovo-l’antico”, das in Bologna im Oktober 2008 stattfand. Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Interview, in dem Kagel sein Leben und sein Fühlen für das für ihm Wichtigste beschreibt: DIE MUSIK.

Samstag, 5. April 2014, 20 Uhr

Berlin, Radialsystem