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Thüringische Landeszeitung, 17.12.2011
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Mit weiblicher Empathie
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Dreier eigentlich moderner Musiker nimmt sich das Boulanger Trio auf seiner neuen CD (Hänssler Profil, ca. 15 Euro) an: Die drei Damen musizieren das c-Moll-Trio von Johannes Brahms sowie die "Vallée d'Obermann" Franz Liszts in dessen eigener Bearbeitung und Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" in einem Arrangement dessen Schülers Eduard Steuermann.
Da regiert eine wundersame weibliche Empathie, aber auch die gebührende Erregtheit und Nonchalance bei dem Blick in emotionale Abgründe des Fin de Siècle (Schönberg) ist spürbar. Mehr als ein Geheimtipp.
Wolfgang Hirsch
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Neue Musikzeitung, 14.12.2011
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Hamburger Klangwerktage 2011
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"Überflüssig zu sagen, dass es natürlich auch reichlich interessante neue Musik unabhängig vom Iran gab, nicht alles kann erwähnt werden. Vieles gelang in wunderbaren Interpretationen: so durch das Berliner Klaviertrio "Trio Boulanger". Die drei Damen setzten zum wiederholten Mal einen kräftigen Akzent des Hamburger Festivals, spielten das 1984 entstandene Klaviertrio von Mauricio Kagel, das kräftig und ironisch in der Gattungstradition rührt und eine Uraufführung von Jens Joneleit mit dem Titel "Talea" (2011). Joneleits Musik hat räumlich und gestisch eine originelle persönliche Handschrift."
Ute Schalz-Laurenze
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rbb kulturradio, 2.12.2011
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Boulanger Trio mit Brahms, Liszt und Schönberg
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"Wer im ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland ein Klaviertrio schrieb, legte ein Bekenntnis ab, der schlug sich auf die Seite der Konservativen und der klassisch orientierten Formkünstler, wandte sich ab von den pathetischen Bedürfnissen der Neudeutschen um Liszt und Wagner und ihrer literarischen Überformung von Musik.
So hat man es im Musikunterricht gelernt, und es ist ja auch plausibel aber es ist zu einfach, wie die neue CD des Boulanger-Trios eindrucksvoll vorführt. Neben dem Namen des großen Konservativen Brahms liest man die von Liszt und Schönberg, die sich zeitlebens als Avantgardisten verstanden, wenn auch im Falle Schönbergs mit einem starken Traditionsbewusstsein. Beide haben gar keine Klaviertrios im klassischen Brahmsschen Sinne geschrieben, das Boulanger-Trio spielt Bearbeitungen. Die aber haben es in sich.
Eduard Steuermann, bedeutender Pianist und Schönbergs Schüler, hat das Streichsextett „Verklärte Nacht“ für Klaviertrio bearbeitet, in wahrhaft kongenialer Weise: Es klingt an kaum einer Stelle nach Bearbeitung, im Gegenteil: Das Stück profitiert enorm. Zum einen von der größeren harmonischen Klarheit des Klaviers. Der Vortrag der Musik wird flexibler, weil sich drei Musiker, zumal die eines festen Ensembles, allemal freier und souveräner koordinieren können als sechs. Außerdem wirkt der klangliche Gegensatz Streicher/Klavier von selbst dramatischer als die verschiedenen, aber homogenen Gruppierungen der ursprünglichen Streicherbesetzung.
So entsteht der reizvolle Effekt, dass „Verklärte Nacht“ als Klaviertrio zwar einerseits durch die Besetzung stärker nach herkömmlicher Kammermusik klingt, der größere expressive Impetus aber andererseits in bislang kaum ausgeleuchtete Tiefen der Musik vordringt. Brahms‘ alterssaures Trio in c-Moll klingt dagegen schon ein wenig holzig, zumal die Damen vom Boulanger-Trio hier auch ein wenig beklommen spielen, während sie bei Schönberg wunderbar frei und ausdrucksvoll schwingende Linien formen.
Zwischen Brahms und Schönberg, den Meistern der satztechnischen Verdichtung, steht ein rätselhaftes, ausgespartes Werk Franz Liszts, eine durchgreifende Bearbeitung seines frühen Klavierstücks „Vallée d‘Obermann“ für Klaviertrio, angefertigt 1885, ein Jahr vor seinem Tod. Alle Stürme der Klavierfassung sind getilgt, das Stück konzentriert sich wie eine Salonpièce auf die melancholische Cello- und die freundlichere Geigenmelodie aber die Atmosphäre hat ganz und gar nichts Salonhaftes, sie ist karg, kalt und düster wie in Liszts letzten Klavierstücken. „Tristia“ hat Liszt die Bearbeitung genannt, in Anlehnung an Ovids Gedichte aus der Verbannung.
Das Boulanger-Trio findet für dieses Stück einen Ton des ausgebrannten Espressivos, des ausweglosen Kreisens, der den Hörer gebannt durch diese frostige Klanglandschaft führt. Eine im Programm höchst interessante, im Vortrag engagierte und überzeugende CD und zugleich noch ein kleiner, aber wichtiger Nachtrag zum zu Ende gehenden Liszt-Jahr.
Peter Uehling
Bewertung: k k k k k
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Süddeutsche Zeitung, 19.11. 2011
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Boulanger Trio besticht im Bosco
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"Man muss dem Publikum ein Kompliment aussprechen. Der Bosco-Saal war ausverkauft, obwohl das rein weiblich besetzte Boulanger Trio aus Berlin in der Münchner Gegend nicht gerade zu den Stammgästen gehört. Zur Neugier des Publikums kam noch seine überraschende Begeisterung für moderne Werke hinzu. Aber man bekommt auch selten eine so schlüssige und dichte Interpretation des frühen Klaviertrios op.8/1 von Schostakowitsch zu hören. In diesem einsätzigen Werk gilt es, vier stark kontrastierende Abschnitte zwischen wilder Scherzo-Rhythmik und ergreifend ausgespieltem Moderato-Gesang organisch zu verbinden und unter einem weiten Spannungsbogen bruchlos zu entwickeln. Ähnlich in der zweiten Zugabe mit Lili Boulangers 'D"un matin de printemps', das mit einer feinfühligen, dennoch packenden Narration bezauberte.
Die herausragende Eigenschaft des Ensembles ist zweifelsohne die Homogenität im Klang und Zugriff, die gerade aufgrund des Zusammenwirkens eines perkussiven Klaviers und zweier Streichinstrumente besonders problematisch ist. Dieser Aspekt war hier kein Thema. Die klangliche Ausgewogenheit funktionierte aber nicht etwa nach einem einheitlichen Rezept. Für jedes Stück hielt das Ensemble eine neu geartete Balance bereit. In Beethovens c-Moll-Trio op.1/3 nahm sich Karla Haltenwanger am Klavier ins perlende Nonlegato in der Art eines Hammerflügels zurück, während Birgit Erz den Violinpart schlank und leicht hielt. Behutsam anschwellende Töne unterlegte Ilona Kindt am Violoncello, zwischen der Spielart eines Basso Continuo und eines gleichwertigen Parts changierend. In Brahms" Klaviertrio c-Moll op.101 steigerte das Boulanger Trio die Dramatik, entfachte eine Leidenschaft, die schon mal in mächtig voluminösen Klangwogen hervorbrach. Hier offenbarte sich jedoch deutlich die weibliche Ästhetik, die nichts Gewaltsames oder Unschönes erlaubte."
Reinhard Palmer
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Theaterforum Gauting, 17.11.2011
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Geballte weibliche Leidenschaft
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"Reine Frauenensembles sind eher selten. Zumal von so hoher Qualität wie das Boulanger Trio. Ein ausverkaufter bosco-Saal war daher zu erwarten. Gewiss in erster Linie aufgrund des vorauseilenden hervorragenden Rufes. Gemessen am Applaus, der auch nach zwei Zugaben noch kaum ein endenwollender sein wollte, hat das Ensemble aus Berlin alle hohen Erwartungen sogar übertroffen. Eine solche Euphorie verdankte das Trio wohl vor allem seiner hohen Homogenität bis ins feinste Detail, ganz im Sinne der weiblichen Einfühlsamkeit. Doch keinesfalls ist darunter ein zaghafter Zugriff zu verstehen. Ganz im Gegenteil. Das Trio zeigte sich leidenschaftlich, in den Verdichtungen voluminös, vor allem aber in der Dramaturgie überaus packend."
Reinhard Palmer
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Pforzheimer Zeitung, 9.10.2011
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Boulanger Trio zeigt Beethoven
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"So hat der Hörer bereits hochgemut alle sensorischen Antennen völlig auf die Bühne ausgerichtet. Und wenn nun das Boulanger Trio mit den ersten Tönen zu Beethovens Klaviertrio in G-Dur op. 121a anhebt, so wird er fast vom Stuhl gerissen: So eine nicht zu erwartende geballte musikalische Kraft macht dieses Ensemble hörbar. Jeder Bogenzug, jeder Anschlag ist eingebunden in die Energetik der Phrase und Träger des musikalischen Charakters. Es gelingt dem Trio, dies zu immenser Dichte zu bündeln. Das liegt an der ungewöhnlichen musikalischen Nähe, welche zwischen den Musikerinnen herrscht. [...]
Im Zentrum des Konzertes [...] stand Johannes Brahms' Klaviertrio in c-Moll op. 101. Das Werk schrieb Brahms in bereits reiferen Jahren. Ungeachtet dessen wirkt es äußerst vital und so, wie das Boulanger Trio es spielt, geradezu wie von überschießender jugendlicher Kraft. Der beherzte Zugriff erzeugt eine hoch energiegeladene Spannung, welche aber im immer sensiblen und durchgeformten Spiel nicht ein Bogenhaar zu Zerreißen bringt.
Im Scherzo entwickelt das Trio eine Schumanneske, euphorisch wirbelnde Kreisleriana. Aber auch in die stillen Momente führt das Trio mit einer Intensität, die den Klang zum Raunen bringt. Einen so machtvoll erfüllten Brahms, der auch bald auf der nächsten CD des Trios erscheinen wird, hört man selten."
Ruth Wolfstieg
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Der Tagesspiegel, 20.6.2011
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Im Nachtlicht: Das Boulanger Trio im Radialsystem
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"Die Pianistin Karla Haltenwanger treibt mit kompaktem Zugriff auch die Geigerin Birgit Erz und die Cellistin Ilona Kindt zu einer Intensität, die Wahrheit des Ausdrucks vor Schönklang um seiner selbst willen stellt.
Auch in „Tristia La Vallée d’Obermann“ von Franz Liszt herrscht solch existenzieller Kontrastreichtum. Filigran Angedeutetes schwingt sich aus tiefen Abgründen zu blendend heller Ekstase auf. [...] Von Liszt bis zu Schönbergs dem Expressionismus zustrebender „Verklärten Nacht“ ist nur ein kleiner Schritt: Die drei Boulanger-Damen loten auch hier die Ausdrucksnuancen feinster Übergänge aus."
Isabel Herzfeld
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Darmstädter Echo, 18.6.2011
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Da hebt die Geigerin vom Stuhl ab
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"Das Boulanger Trio sorgt dafür, dass im letzten Kammerkonzert der Saison am Staatstheater einfach alles stimmt. [...]
Sofort fällt die hervorragende Abstimmung der Musikerinnen, die absolute Kongruenz der beiden Streicher und die stimmige Klangbalance mit dem Klavier auf. Das ist wirklich ein Spiel wie aus einem Guss.
Kraftvoll, mit weit ausholender Gestik, ohne jedes Quäntchen an falschem Pathos gehen die Künstlerinnen das c-Moll-Trio op. 101 von Johannes Brahms an: Da hebt im Furor des Kopfsatzes die Geigerin sogar vom Stuhl ab und antwortet zusammen mit ihrer Cello-Partnerin passioniert auf die mächtigen Klavierwogen. Mysteriös und gespenstisch huscht der Scherzo-Satz vorüber, liedhaft folgt mit wunderschönen gesanglichen Dialogen ein inniges Andante, während das Finale mit seinen trügerischen Ruhepunkten zerrissen anmutet, bevor es dann doch in einen strahlenden C-Dur-Triumphjubel einmündet.
[...] Die drei Frauen des Boulanger-Trios wissen, dass die dem Werk [Schönbergs Verklärte Nacht] zugrunde liegenden Verse von Richard Dehmel ein glutvolles Vorgehen erfordern, und formen Schönbergs Musik, die ohrenfällig von Tristan-Nachwehen durchzogen ist, mit außergewöhnlicher Klangsinnlichkeit und Intensität aus.
Im raschen Wechsel der Gesten und Zustände stehen Seligkeit und Depression, Bangen und Zuversicht, Abgrund und Idylle, Resignation und Euphorie dicht beieinander. Da wagt man kaum zu atmen, wenn Haltenwanger, Erz und Kindt zum Schluss Wagnerschen Walküre-Feuerzauber aufschimmern lassen und die „Verklärte Nacht“ in zartestem Pianissimo ausklingt.
[...] Ein beglückender Kammermusikabend."
Albrecht Schmidt
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Heilbronner Stimme, 9.5.2011
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Enorme gestalterische Konzentration
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"Der Untertitel "Épisodes Concertants" trifft besonders auf den formal überladenen ersten Satz zu, dem sich das solistisch agierende Trio Boulanger mit enormer gestalterischer Konzentration stellt. Das Orchester rückt kleinlaut in den Hintergrund, wenn Karla Haltenwanger (Klavier) virtuos-elektrisiert durch die Oktaven tobt.
Mal aufbrausend, mal besänftigend greifen Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Violoncello) ein, präzise und mitreißend gelingen hurtige Figurationen zum getragenen Hornchoral. Formal abrupte Schübe und harmonisch dichte Wechsel halten in Atem. Orchester und Trio ergänzen sich klanglich sehr gut im langsamen Satz, breiten Raum nimmt die von Violine und Cello schwelgerisch gesteigerte Melodik ein. Aber wieder fährt das Klavier kraftvoll dazwischen, bevor endlich alles in versöhnlichem Flirren ausklingt. Folkloristisch furios tanzt sich der dritte Satz im souveränen Einklang von Trio und Orchester zum effektvollen Schluss."
Lothar Heinle
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Westfälische Nachrichten, 2.5.2011
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Mal funkelnder Tokajer, mal frischer Vino verde
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"Singen nämlich konnten Birgit Erz, Ilona Kindt und Karla Haltenwanger auf ihren Instrumenten ganz besonders ausdrucksvoll. Paradebeispiel: Ravels ausgedehnte Passacaglia. Doch auch an virtuoser Brillanz und lebhaftem Temperament blieb das Trio seinem begeisterten Publikum nichts schuldig - nicht im Scherzo, nicht im Finale."
Christoph Schulte im Walde
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Badisches Tagblatt, 22.2.2011
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Farbrausch aus Rhythmik und Klang
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"Mit dem lichterfüllten, hoffnungsfrohen "Frühlingsmorgen" von Lili Boulanger als Zugabe schloss die vielversprechende Matinee des Boulanger Trios im Baden-Badener Festspielhaus. So hoffnungsvoll wie diese Musik wünscht man sich die Karriere des Nachwuchs-Ensembles, das seit 2006 zusammen spielt, einige Preise gewonnen hat und schon einen charakteristischen Ensemble-Klang hat.
[...] Gerade im opulenten Klaviertrio von Maurice Ravel, das andere Ensembles gelegentlich sinfonisch auslegen, verließ das Boulanger Trio den Boden der Kammermusik nie und unterstrich damit Ravels originäre Klangpoetik, etwa im verwunschen wirkenden Einleitungssatz und sogar noch in den großen, emphatischen Steigerungen, die schließlich in einem mediterranen Farbrausch aus Rhythmus und Klang aufgingen. Durchsichtigkeit bis auf den Grund, Fragilität der einzelnen Linien und süffige Klangflächen zeichnete diese Interpretation aus, in der nichts dick aufgetragen wurde.
Worum andere Klaviertrios oft lange kämpfen, ist bei den Boulangers selbstverständliche Voraussetzung: die optimale Klangbalance zwischen Klavier und Streichern. Hier findet kein Wettkampf statt, vielmehr hat man den Eindruck, dass die drei Musikerinnen gleichsam auf einem gemeinsamen Meta-Instrument spielen, aus dessen Farbpalette sich alle drei gleichberechtigt bedienen. Dadurch entstand bei Ravel genau jene Transparenz, weil der Komponist die einzelnen Instrumente viel mehr trennt als Robert Schumann in seinem eingangs gespielten dritten Klaviertrio g-Moll op. 110.
Schon allein dieses vertrackte Werk an den Anfang des Programms zu stellen, braucht Mut, denn der Zuhörer wird zunächst einer rhythmischen Wiederholungsorgie ausgesetzt, die auch leicht langweilig werden kann. Doch das Boulanger Trio meisterte Schumanns obsessive Beharrlichkeit grandios mit sattem, warmem Ton und einer kontinuierlich an- und abschwellenden Dynamik und Binnendifferenzierung der Stimmführung. Das ganze Werk erhielt einen durchgehenden Zug, immer auf größtmöglichen Zusammenhang bedacht, auch im huschend irrlichternden Scherzosatz. Keine Lücken, keine Löcher störten den Verlauf, alles feinsinnig ausgehört, und den typischen Schumann'schen Rhythmus im Schlusssatz hielten die Musikerinnen gekonnt in der Waage zwischen Stolpern und leidenschaftlichem Sich-Überstürzen.
Im Zentrum des Programms stand die "Fremde Szene III" von Wolfgang Rihm, und im anschließenden Künstlergespräch betonten die Musikerinnen nochmals, wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten ist. Ihr Engagement ist so mitreißend, dass das Stück von Rihm den meisten Beifall erhielt. Extreme kommen hier zusammen, folgen aufeinander, bohren sich fest. Lange agieren die Instrumente allein, bis sie sich als Trio formieren. Anfangs gläsern, wird die Klangsprache immer kantiger, harscher, explosiver. Romantische Anklänge schwirren plötzlich durch die Luft, um sogleich zertrümmert zu werden. Am Schluss glaubt man in dem schmerzenden Diskantklang einen Scherbenhaufen vor sich zu sehen. Aber Rihm findet einen versöhnlichen Schluss: ein zartes Pizzikato im Cello tupfte den Schmerz weg."
Lotte Thaler
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Der Tagesspiegel, 31.1.2011
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Loblieder künftiger Zeiten
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"Das Festival als Gemischtwarenladen, aus dem sich jeder das Passende aussuchen kann? In neunzehn Konzerten, darunter 22 Ur- und Erstaufführungen, wurde heterogene Vielfalt geboten. Allein schon die Fokussierung auf kleinere Spezialensembles, wie sie sich seit der Gründung des Ensemble Modern vor Jahren herausbildeten, trug dazu bei. Wie die Qualität der Interpretation davon profitierte, zeigte etwa das junge Boulanger-Trio, das die exzeptionellen Klaviertrios von Mauricio Kagel mit Klangstudien Matthias Pintschers in erhellende Beziehung setzte."
Isabel Herzfeld
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Alfelder Zeitung, 18.1.2011
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Stehender Beifall
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"Mit Dvoráks f-Moll-Trio bereitete das Boulanger Trio seinem begeistert mitgehenden Publikum in der vollbesetzten Katharinenkirche ein besonders mitreißendes Finale. Die Interpretation war ungemein temperamentvoll, dramatisch zwingend, leidenschaftlich - wobei vor allem die Violinistin Birgit Erz mit ihrem satten, strahlenden Ton verblüffte -, dann auch wieder tänzerisch bewegt oder lyrisch verhalten. Cellistin Ilona Kindt konnte in den edlen Kantilenen des Adagio schwelgen und damit die Herzen der Zuhörer besonders rühren."
Michael Schäfer
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