WILLKOMMEN


Herzlich willkommen zur Boulangerie!

Die Idee zu dieser Konzertreihe kam uns zum einen durch unsere Namensgeberinnen Nadia und Lili Boulanger; zum anderen entsprang sie dem Wunsch, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer an unserer Arbeit und den Begegnungen mit zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten teilhaben zu lassen und so unsere Begeisterung an der Musik teilen zu können.
Die französischen Schwestern Nadia und Lili Boulanger wurden im ausgehenden 19. Jh. in Paris geboren. Lili, eine begnadete Komponistin, starb schon im Alter von 24 Jahren. Nadia lebte bis 1979 und wurde eine der wichtigsten Musikpädagoginnen der Zeit, die Komponisten wie Leonard Bernstein, Philip Glass und Astor Piazzolla, aber auch Quincy Jones oder Daniel Barenboim unterrichtete.
Zu ihrem Unterricht gehörten auch die legendären Mittwochstreffen in ihrer Pariser Wohnung in der Rue Ballu, von ihren Schülerinnen und Schülern liebevoll „Boulangerie“ genannt. Dort traf man sich für gemeinsame Analysen z.B. Bachscher Fugen. Es wurden aber auch neue Werke ausprobiert, und oft waren unter den Anwesenden Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten. Hinterher fand ein reger Austausch bei Tee und Gebäck statt.
Auch wir lieben den Austausch mit unserem Publikum, freuen uns immer wieder über anregende Unterhaltungen und spannende Diskussionen. Dazu kommt unsere Neugier auf die Musik von heute. Es ist jedes Mal auf‘s Neue aufregend und bereichernd, den Menschen kennenzulernen, der hinter einem Werk steht. Diese Begegnungen möchten wir mit Ihnen teilen und unterhalten uns in der Mitte des Konzerts mit unserem jeweiligen Gastkomponisten bzw. unserer jeweiligen Gastkomponistin auf der Bühne. Im Anschluss an das Konzert sind Sie, wie damals die Studierenden von Nadia Boulanger, zu einer Kleinigkeit zu essen und zu trinken eingeladen, um mit uns und dem Komponisten oder der Komponistin das Gespräch fortzuführen.
Eine kleine Besonderheit gibt es noch: Was die Programmgestaltung betrifft hat unser Komponist oder unsere Komponistin sozusagen eine Carte blanche. Er oder sie darf sich zu den eigenen Werken das Programm selber zusammenstellen. Die einzige Bedingung ist, dass die anderen Stücke aus der Klassik, Romantik oder klassischen Moderne sein sollen. Denn wir sind begeistert von der Musik aus allen Epochen, als Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit!

 

 

Wir hoffen, Sie bald in unserer Boulangerie begrüßen zu dürfen!

Karla, Birgit & Ilona

Boulanger Trio

Aus gegebenem Anlass gibt es keinen Ausklang nach der Veranstaltung.

Montag, 12. Oktober 2020, 18.45 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie Kleiner Saal

Boulangerie
Beethoven x Junge Komponisten

Ludwig van Beethoven, Trio D-Dur Op. 70 Nr. 1 „Geistertrio“
András Gelléri, Straße (2017/18, dem Boulanger Trio gewidmet)
Boulanger Trio
Gast: András Gelléri

ANDRÁS GELLÉRI PORTRAIT

Montag, 12. Oktober 2020, 20.45 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie Kleiner Saal

Boulangerie
Beethoven x Junge Komponisten

Ludwig van Beethoven, Trio D-Dur Op. 70 Nr. 1 „Geistertrio“
Elias Jurgschat, Beleuchten (2018)
Boulanger Trio
Gast: Elias Jurgschat

Elias Jurgschat

Dienstag, 13. Oktober 2020, 19.30 Uhr
Berlin, Maison de France

Boulangerie
Beethoven x Junge Komponisten

Elias Jurgschat, Beleuchten (2018)
Ludwig van Beethoven, Trio D-Dur Op. 70 Nr. 1 „Geistertrio“
András Gelléri, Straße (2017/18, dem Boulanger Trio gewidmet)
Boulanger Trio
Gäste: Elias Jurgschat und András Gelléri

András Gelléri

ANDRÁS GELLÉRI PORTRAITDer Ungarische Komponist und Pianist András Gelléri wurde 1993 in Budapest geboren. Als Komponist ist er bereits seit 2000 tätig. Seine Hochschulstudien hat er an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest bei Judit Varga und Péter Tornyai sowie in Jerusalem bei Yinam Leef absolviert. Außerdem nahm er an internationalen Meisterkursen von Francesco Filidei, Franck Bedrossian, Johannes Maria Staud, Helmut Lachenmann, Kaija Saariaho, Philippe Leroux, Yann Robin, Marc Sabat, Krysztof Penderecki, David Lang, Hans Thomalla und Marta Ptaszynska teil.
Seine Werke wurden europaweit in zahlreichen Konzertsälen, u.a. im Konzerthaus, dem Mozarthaus und dem Ehrbarsaal in Wien, dem Casa da Musica Porto, dem Israel Konservatorium Tel Aviv und dem Elma Hall in Israel, dem Zuiderstrandtheater Den Haag, der Balassi Institut in Stuttgart, dem October Hall des Central European University (CEU), dem FUGA Budapest Zentrum für Architektur, im MÜPA Palast der Künste, dem Sir Georg Solti Saal der Franz-Liszt-Musikakademie sowie dem Institut für Musikwissenschaft in Budapest gespielt.
Zwecks Aufführung seiner Werke kooperiert András Gelléri mit renommierten Ensembles für neue Musik wie dem Boulanger Trio (Berlin), Trio Catch (Hamburg), Meitar Ensemble (Tel Aviv), Ensemble Academy (Den Haag) und dem Ensemble Fractales (Brüssel).
Der junge Komponist ist Preisträger vieler internationaler Kompositionswettbewerbe. Er hat den Grand Prix des 2. „Anton Matasovsky“ Kompositionswettbewerbs in Wien, 2016 gewonnen. 2017 wurde er in Israel als Komponist in Residence eingeladen, seine Kompositionen im Rahmen des Ungarisch-Israelischen „Reconnections“ Projekts aufzuführen. 2019 wurde er mit dem „Creative Art Prize“ für Klavier Improvisation in Ungarn ausgezeichnet. Mit seinem Klaviertrio „Straße“ wurde er 2018/19 Preisträger des Kompositionswettbewerbs der Alban Berg Stiftung (Jury: Boulanger Trio, Beat Furrer und Johannes Maria Staud).

Elias Jurgschat

ELIAS_265X383.103156Elias Jurgschat studierte im Bachelor Komposition zunächst an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf bei Manfred Trojahn und dann an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden bei Mark Andre, Manos Tsangaris und Franz Martin Olbrisch. Dort setzt er nun auch sein Masterstudium fort. Im aktuellen Sommersemester 2020 macht er ein Austauschsemester an die Zürcher Hochschule der Künste um dort bei Isabel Mundry zu studieren.
Weitere kompositorische Impulse erhielt im Unterricht von unter anderem Wolfgang Rihm, Peter Ablinger und Johannes Kreidler, Brian Ferneyhough und Pierluigi Billone.
Er ist unter anderem Preisträger beim Deutschen Musikwettbewerb 2017 und war im selben Jahr Teilnehmer des Composer Seminar der Lucerne Festival Academy. 2019 erhielt er einen von zwei Kompositionspreisen der Alban Berg Stiftung Wien und wurde vom sächsischen Musikrat mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Straße

In dem Stück könne man den musikalischen Vorgang dem Zug durch eine lange Straße, i.a. mit der Meisterung einer vorbestimmten Strecke gleichsetzen. Man gehe über denselben Weg von dem einen Endpunkt bis hin zu dem Anderen unter ständig wechselndem Straßenbild. Die Welt um herum ändere sich nach und nach, anderer-seits bleibe der Lauf an sich stets permanent und geradlinig. Schließlich gelange man an dem Endpunkt, dort lasse man sich an den belaufenen Weg zurückdenken und eine Folge schließen über die Fragen, wohin sei man angekommen und worum.
Es gehe im musikalischen Prozess ähnlich vor. Es gebe kein direkter Schnitt zwi-schen Elementen von verschiedener Charakter (virtuose, dramatisch, lyrisch, singend), die Umformung der unterschiedlichen Texturen ineinander gehe immer organisch vor. Dieser Prozess sollte dann bis hin zu dem extrem leidenschaftlichen Höhepunkt führen, um am Ende die Ausgangsmotiven und Bewegungsformen in unter-schiedlichem Sinne aufgefasst als Geräusche aus der Ferne wiederzuerkennen.
Die Komposition wurde in 2017/18 hauptsächlich in Jerusalem geschrieben, sie ist dem Boulanger Trio gewidmet.
András Gelléri

Samstag, 28. November 2020, 18 Uhr
Berlin, Radialsystem V

Boulangerie
Schumann x Pintscher

Matthias Pintscher, Study III for Treatise on the Veil for solo violin (2007)
Robert Schumann, Trio d-Moll op. 63
Matthias Pintscher, Uriel for cello and piano (2011/12)
Matthias Pintscher, svelto for violin, cello and piano (2006)
Boulanger Trio
Gast: Matthias Pintscher

Das Konzert wird live auf Idagio Global Concert Hall gestreamt

Matthias Pintscher
© Felix Broede
Matthias Pintscher

Matthias Pintscher ist musikalischer Leiter des Ensemble intercontemporain. Zurzeit ist er im neunten Jahr als »Artist in Association« mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra. (Er war der erste »Artist in Residence« der Hamburger Elbphilharmonie sowie bei ihrer Eröffnungsfeier beteiligt.) Mit Anfang Zwanzig nahm das Komponieren noch die zentrale Rolle in seinem Wirken ein: Er begann seine musikalischen Studien bei dem ungarischen Dirigenten und Komponisten Péter Eötvös. Während er mit Pierre Boulez arbeitete, wurde das Dirigieren zunehmend wichtiger, bis es schließlich zu Pintschers Haupttätigkeit wurde. In der Saison 2017/18 arbeitete er mit dem Los Angeles Philharmonic, dem BBC Scottish Symphony Orchestra und u. a. an Projekten mit dem Utah Symphony, dem Finnish Radio Symphony Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra (Beethovens 9. Sinfonie), dem Saint Paul Chamber Orchestra und dem Orchestre de la Suisse Romande und debütierte mit dem Concertgebouw Orchester und dem London Symphony Orchestra. Als Komponist werden seine Werke von namhaften Orchestern und Künstlern aufgeführt. Sein Cellokonzert »Un despertar« wurde von Alisa Weilerstein und dem Boston Symphony Orchestra aufgeführt, im April 2017 wurde »Shirim« für Bariton und Orchester mit Bo Skoyhus und dem NDR Elbphilharmonie Orchester uraufgeführt. Seit 2014 unterrichtet er außerdem an der Julliard School, seine Publikationen erscheinen beim Bärenreiter-Verlag.

Wir danken unseren Förderern:

Medienpartner:

Reminder Boulangerie:

Orte:

Kurfürstendamm 211
10719 Berlin
Kartenverkauf online: www.boulangerie.tickets.de

ELBPHILHARMONIE

Platz der Deutschen Einheit 4
20457 Hamburg
Kartenverkauf online: www.elbphilharmonie.de

Rondo, Ausgabe 2/2018

Boulanger Trio: Brückenschläge

Ein Artikel von Guido Fischer

Im Klassikbetrieb machen sich Konzerthausmanager, Soziologen und Pädagogen am laufenden Band Gedanken darüber, mit welchen Strategien und Events man gerade jüngeres Publikum „abholen“ kann. Noch komplizierter wird es, wenn zeitgenössische Musik ins Spiel kommt. Da gehen bei vielen immer noch reflexartig die Klappen runter. Seit 2012 schaffen es diese drei Musikerinnen aber tatsächlich, die Neugier für avancierte Klänge derart zu wecken, dass ihre etwas anderen Salon-Konzerte regelmäßig blendend besucht und oftmals ausverkauft sind. „Boulangerie“ haben die drei Damen des Hamburger Boulanger Trio ihre Konzertreihe getauft.

Und das Erfolgskonzept ist im Grunde denkbar einfach. Für jede „Boulangerie“ wird ein zumeist namhafter Komponist eingeladen, mit dem man sich über seine Arbeit und nicht zuletzt über ein von ihm mitgebrachtes Stück unterhält. Und weil das Boulanger Trio stets den Bogen von der Tradition in die Gegenwart schlagen will, lädt das Ensemble seinen Gast zudem ein, sich ein oder zwei Werke aus dem riesigen Klaviertrio-Repertoire auszusuchen. Auf Wunsch etwa des in Kuba geborenen Komponisten Jorge E. López, der in der April-„Boulangerie“ im Mittelpunkt stehen wird, stellt das Boulanger Trio dem López-Opus jeweils ein Klaviertrio von Haydn und Schostakowitsch zur Seite.

Auch über eine solche Konzertdramaturgie gelingt es dem Boulanger Trio, die berühmtberüchtigten Berührungsängste vor musikalisch scheinbar allzu Sperrigem abzubauen. „Wir hatten ein geselliges Konzertformat im Sinn, bei dem es gerade durch die persönliche Begegnung mit einem Komponisten auch zu einem lebendigen Austausch mit dem Publikum kommen soll“, so Cellistin Ilona Kindt. Vorbild für dieses Konzertformat war ein Musiksalon, den die berühmte Namenspatronin des Trios, die französische Komponistin und Lehrerin Nadia Boulanger, ab den 1920er Jahren in Paris jeden Mittwoch veranstaltete.

Schon längst zieht die „Boulangerie“ aber nicht nur in Hamburg und Berlin mittlerweile ein Stammpublikum an, sondern seit einiger Zeit auch im Wiener Musikverein. Und die Liste der eingeladenen Komponisten liest sich durchaus wie ein Who´s Who der Neuen Musik. So waren Toshio Hosokawa, Johannes Maria Staud, Kaija Saariaho sowie der österreichische Altmeister Friedrich Cerha bereits zu Gast.

Nun also trifft man auch in Wien (22. April) auf Jorge E. López, der einer der interessantesten Komponisten der Gegenwart ist. Die Werke des in Kalifornien ausgebildeten und seit 1991 in Oberkärnten lebenden Musikers werden auf großen Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen und den Salzburger Festspielen aufgeführt und wurden vielfach ausgezeichnet. Und der das Boulanger Trio ungemein bewundernde Wolfgang Rihm meinte einmal über seinen Komponistenkollegen: „Wenn der Begriff des Originellen – ja sogar des Originals – noch etwas bedeutet, dann wird er von Jorge E. López verkörpert.“ Ein eigenes (Klang-)Bild kann man sich nun bei der kommenden „Boulangerie“ machen. Und wer nach dem Konzert vielleicht von den Musikerinnen und dem Komponisten noch Näheres erfahren will, der kann dies traditionell bei Baguette und einem Gläschen Wein tun.